Persönlicher Rückblick auf das 38. Potsdamer Weihnachtsopen von E. Möglich

Persönlicher Rückblick auf das 38. Potsdamer Weihnachtsopen von E. Möglich

Vom 27. bis 30 Dezember 2025 fand im VIP-Raum des Karli das durch unsere Abteilung nach vielen Jahren wiederbelebte Jahresendturnier im Schach statt.

Was Fußball und Schach gemeinsam haben, zeigt der persönlichen Erfahrungsbericht zu seiner ersten Partie von Enrico Möglich:

Schach und Boxen haben eigentlich nichts miteinander zu tun und dennoch gibt es Schachboxen. Anders sieht es mit Schach und Fußball aus. Beide Sportarten haben viel mehr gemeinsam, als man denkt. So stehen sich auch beim Schach zwei Mannschaften gegenüber, eine mit weißen und eine mit schwarzen Trikots und beide Spiele werden auf einem Spielfeld ausgetragen. Aber es gibt noch viel mehr Parallelen.

Jedes Spiel beginnt beim Anpfiff: Als Kind habe ich meinen Kopf im Schach und meine Beine im Fußball trainiert. Nun bin ich 40 Jahre älter und habe an meinem ersten Schachturnier des SV Babelsberg teilgenommen. Wie sehr mir meine Fußballerfahrungen beim 38. Potsdamer Weihnachtsopen geholfen haben, war mehr als erstaunlich.

Als „Neuling“ ohne Turniererfahrung ist man absoluter Außenseiter. Natürlich hat man die Hosen gestrichen voll vor dem Favoriten, gegen den ich mit Schwarz ziemlich früh im B-Turnier spielen musste. Und wie im Fußball gibt’s auch im Schach die Komplettaussetzer, die Blackouts, oder wie man sonst die großen Patzer nennt. Deshalb habe ich bereits in der Eröffnung meinen Läufer und meinen Turm eingebüßt. Im Fußball würde das bedeuten, dass einem als Underdog nach 10 Minuten schon zwei Leistungsträger vom Feld gestellt worden sind und man nur noch mit 9 Mann auf’m Platz steht.

Brett Nr. 1 zeigt die Stellung nach 10 Zügen.

Anders als beim Fußball gibt’s beim Schach die Möglichkeit des Aufgebens, aber hier half mir die Fußballparole: Niemals aufgeben! Und so wie es den Fußballgott gibt, gibt es eben auch den Schachgott, der manchmal Wunder geschehen lässt. Die weiße Mannschaft entschied sich zu einem fatalen Schach Dh5. Nach Dxh5 wurde die weiße Dame vom Spielfeld genommen. Die Dame ist vergleichbar mit dem Superstar oder dem Millionentransfer im Fußball. Damit waren die Verhältnisse wieder ausgeglichen. Leider war die Überlegenheit der weißen Mannschaft trotz fehlender Dame so stark, dass bei mir eine weitere Fußballweisheit zum Tragen kam: Hinten reinstellen, alles dicht machen und abwarten, ob sich eine Chance auf einen Konter ergibt.

Brett Nr. 2 zeigt das schwarze Bollwerk nach 23 Zügen.

Diesmal war der Schachgott gerade mit anderen Brettern beschäftigt, sodass es kein weiteres Wunder gab. Dafür fand der weiße Gegner irgendwann die Möglichkeit, meine Deckung aufzureiben, sodass auch noch zwei weitere Leistungsträger (Springer und Turm) den Platz verlassen mussten. Die Chancen waren nahe Null, aber wieder fiel mir eine Fußballregel ein: Kurz vor Abpfiff alle Mann in den Sturm, mit der Hoffnung auf das ersehnte Siegtor. In meinem Fall gab’s nur noch die Dame und den Springer, die ich nach vorne ziehen konnte.

Brett

Brett Nr. 3 zeigt Dame und Springer mit dem Mut der Verzweiflung auf dem Weg zum weißen König nach 33 Zügen. Der schwarze König steht einsam und verlassen, aber Weiß zieht Lf6.

Zum Glück war der Schachgott inzwischen wieder zu meinem Brett zurückgekehrt und brachte eine weitere Weisheit zur Geltung: Auch der beste Gegner macht mal Fehler. Nachdem Weiß den (Irr)Läufer (Lf6) zog, gab’s die einmalige Chance, die gegnerische Abwehr ohne Abseits zu überrumpeln. Welcher Zug bringt Schwarz zum Sieg?

Als kleiner David konnte ich Goliath trotz Fehlstart und in Unterzahl dank eines Lucky Punch bezwingen. Womit wir wieder beim Boxen angekommen wären. Erwähnt sei noch kurz, dass ich am 27. Dezember bei Glatteis auf dem Weg zum Turnier mit dem Fahrrad aufs Pflaster geflogen bin. Jedenfalls habe ich oberhalb der Augenbraue und über dem Wagenknochen Schürf- bzw. Platzwunden. So kam ich mit einer Boxervisage von meinem ersten Schachturnier aus einem Fußballstadion nach Hause.
Ich möchte herzlich der Schachabteilung des Babelsberger SV für die tolle Ausrichtung des 38. Potsdamer Weihnachtsopen danken und hoffe, dass es weitere schöne Schachturniere geben wird. Ich empfehle das B-Turnier beim 39. Potsdamer Weihnachtsopen 2026 allen, die Lust am Schachspielen haben, wobei Fußballweisheiten sehr hilfreich sein können.

Auflösung: Se2


Dieser Beitrag erschien auch im Stadionheft zur Fußballpartie gegen den FC Eilenburg am 06.03.2026

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